Ein Jahr später ist das Lachen wieder da, fast!

Am 21.03.2016 habe ich von Oliver in London einen Heiratsantrag bekommen, ihr erinnert Euch vermutlich. Das war schon ein toller Moment, auf den wir ein Jahr später nochmal angestoßen haben. Was letztes Jahr darauf folgte, war  allerdings weniger schön. 

Heute vor einem Jahr ging es für mich ins Krankenhaus. Die Diagnose: Idiopathische Fazialisparese. Was das ist, warum ich sie bekam und warum mich der Krankenhausaufenthalt wirklich sauer gemacht hat, könnt ihr hier noch einmal nachlesen, da möchte ich hier jetzt gar nicht weiter drauf eingehen. Sonst schreibe ich mich nur wieder in Rage und das muss ein Jahr später nicht nochmal sein.

Ein Jahr später, alles wieder gut?

Jetzt, nachdem ein Jahr vergangen ist, höre ich immer häufiger, dass mein Gesicht doch wieder richtig gut aussieht. Ich werde gefragt, ob ich noch was merke, Schmerzen haben und ob alles wieder gut sei. Um es noch einmal zu betonen, ich hatte in dem ganzen Jahr keine Schmerzen. Mein Gesicht tat nicht weh, es war nur dezent entstellt. Kurz nach dem Flugzeugvorfall hatte ich über meine linke Gesichtshälfte keine Kontrolle. Ich konnte nicht vernünftig reden, Essen war eine Katastrophe (ohne Gefühl beißt man sich immer wieder auf die Wange – man spürt es nicht, aber man schmeckt es!) und Trinken war auch unmöglich. Wie habe ich immer so schön gesagt: der Strohhalm wurde mein bester Freund.

Nach drei Monaten regte sich so langsam, für meinen Geschmack viel zu langsam, der linke Mundwinkel, so dass ich ein kleines Lächeln erahnen konnte. Bis dahin hatte ich aber auch gelernt, herzhaft mit geschlossenem Mund zu lachen bzw. nur breit zu grinsen. Den Mund ganz aufzureißen, sah einfach unmöglich aus. Ab da hatte ich die Hoffnung, dass sich nun der Rest auch schnell zurück entwickelt und ich Ende 2016 ein Haken hinter die Faszialisparese machen konnte. Da hab ich aber leider falsch gedacht.

Heute, ein Jahr später kann ich immer noch nicht richtig lachen. Meine linke Gesichtshälfte sieht zwar wieder fast normal aus (die Mimik ist wieder hergestellt), aber die linke Oberlippe kann immer noch nichts bzw. wieder nur sehr langsam und verhalten. Ich mache noch ab und zu meine Übungen und ich sehe auch, dass sich was tut, aber mehr als den zweiten Schneidezahn sieht man bei einem herzhaften Lachen noch nicht. Ab und zu blitzt die nächste Zahnspitze auf, aber auch nicht immer. Hier ist wieder Geduld gefragt, mein wohl größter Gegner seit einem Jahr, denn ich habe keine Geduld. Ich hatte noch nie welche und ich finde nach einem Jahr, könnte der ganze Driss auch mal verheilt und wieder vorbei sein.

Cliffs of Moher,
Fotospaß – geht auch mit einer halbseitigen Gesichtslähmung, wie man sieht!

Pragmatisch? Ja, zum Glück

Was hat mir das letzte Jahr nun gezeigt, außer dass ich alles besitze, aber keine Geduld? Alles Jammern nützt nichts. Ebenso wenig sich zu verkriechen und nicht mehr vor die Tür zu gehen. Ja, ich war vielleicht nicht mehr ganz so hübsch mit dem schiefen Gesicht und ich wurde auch ziemlich oft fragend angeguckt, war es im Job oder auf der Straße, aber man gewöhnt sich ja an alles. Und jeder der gefragt hat, was denn mit meinem Gesicht schreckliches passiert sei, dem habe ich die Geschichte erzählt.

Cliffs of Moher, Irland, Fazialisparese
Hängender Mundwinkel, aufgerissenes Auge Tag UND Nacht, Lächeln nur einseitig möglich

Mittlerweile sieht mein Gesicht aber wieder fast normal aus –  daher kann ich euch jetzt auch zwei Bilder aus dem letzten Jahr zeigen, die bis heute noch niemand öffentlich gesehen hat. Entstanden ist es einen Monat nach dem Krankenhausaufenthalt, als Olli und ich auf einem Roadtrip durch Irlands Westen unterwegs waren. Denn wer glaubt, dass ich nach der Flugzeugaktion nicht mehr in den Flieger gestiegen bin, der irrt! Aber gewaltig!

 

 

7 Comments Ein Jahr später ist das Lachen wieder da, fast!

  1. Elke 30/03/2017 at 13:15

    Oh nein, Mila, das wusste ich nicht! Ich hatte es mal kurzzeitig durch eine Spritze beim Zahnarzt und die Helferin musste mich beruhigen. Habe auch schon gehört, dass es Leute vom offenen Autofenster bekommen haben. Aber so lange – das ist ein Alptraum! Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass alles wieder gut wird! Liebe Grüße, Elke

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    1. Mila 30/03/2017 at 13:19

      Alles gut Elke 🙂 Ging letztes Jahr ja auch mit der Verlobung einher. Hatte letztes Jahr zweimal drüber gebloggt und über die Entwicklung, die nur laaaangsam voran ging. Da aber am 21. (Verlobung) und 23. (KH) ein Jahr rum war, fand ich war es nochmal an der Zeit zu schreiben, was denn nun Stand der Dinge ist. Besonders nach dem tollen KH-Aufenthalt letztes Jahr. Heut Abend kann ich Dich aber beidseitig anlächeln! Lieb Grüße, Mila

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  2. Planet Hibbel 30/03/2017 at 19:52

    Ohje, liebe Mila…..das wusste ich auch nicht und ich sag Dir mal was….die zweimal die ich Dich gesehen habe, habe ich wirklich absolut gar nichts davon bemerkt. So schlimm kann es also von außen betrachtet nicht mehr sein. Trotzdem ist das natürlich eine fürchterliche Sache (von der ich btw noch nie gehört habe) und ich wünsche Dir von Herzen, das Du wieder ganz die Alte wirst. Gesundheit ist echt das Allerwichtigste. Alles Liebe, Nadine

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    1. Mila 31/03/2017 at 14:42

      Hallo liebe Nadine,
      wie gut, dass es nicht mehr auffällt!! Ja, es ist vor allem unglaublich nervig, wenn man alles tut was die Ärzte sagen und einfach keine Heilung eintritt. Das hat mich am Anfang schon sehr genervt. Obwohl – eigentlich bis heute. Braucht kein Mensch, aber ein Ende ist ja nun hoffentlich in Sicht! Liebe Grüße, Mila

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  3. vielweib 30/03/2017 at 22:48

    Mila Du sahst toll heute Abend aus – und auch Dein Lächeln und Lachen! Weiter so, das wird auch wieder ganz, davon bin ich überzeugt (so oft Dich Dein Liebster auch immer zum Lachen bringt) 🙂

    Bis ganz bald wieder, liebe Grüße,
    Tanja

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    1. Mila 31/03/2017 at 14:44

      Tanja <3 Lieben Dank!
      Ja, Olli bringt mich immer zum Lachen, bestes Training, oder letztes Jahr der Umzug in die neue Wohnung, lauter Dinge die einen strahlen lassen und die Gesichtsmuskeln trainieren 🙂
      Liebe Grüße, Mila

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  4. Pingback: Und heute, drei Monate später nach dem Krankenhaus? - Milas Welt

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