Vom Flughafen in die Uniklinik

…diese Überschrift trifft meine letzte Woche wohl am Besten. Die Kurzversion: ein Städtetrip nach London, ein Heiratsantrag in London, zurück nach Köln und vom Flughafen quasi direkt weiter in die Neurologie der Uniklinik, mit Vollpension. Klingt wie in einem Film, oder? War aber Realität. Aber einmal von vorne:

London – alles ist gut

Das Wochenende vor Ostern war ich mit Olli und meinen Eltern in London. Olli und ich, wir lieben London und da wir uns mit meinen Eltern gut verstehen, hatten wir den Kurzurlaub zu Viert schon lange geplant. Die Vorfreude war groß und mein Programm, das ich als alte Reisetante ausgearbeitet hatte, schien auch sehr gut zu gefallen. Da ich mich in London sehr gut auskenne, war das Programm eine bunten Mischung aus Pflichtprogramm, wie die Innenstadt, aber auch Dinge, die nicht in jedem Reiseführer stehen. Es schien allen gut gefallen zu haben und wir hatten eine echt schöne Zeit, die bald wiederholt werden sollte.

Der Antrag

Perfektioniert hat das dann nur noch Ollis Heiratsantrag am letzten Morgen in London. Wie cool ist das denn bitte? Ein Heiratsantrag in London! Und der Ring, passend zu Helden in grün. Das war schon ziemlich fantastisch und mein Grinsen war am Montag auch nicht mehr aus meinem Gesicht wegzubekommen.

Heiratsantrag London

Abends ging es von Gatwick mit easyjet wieder zurück nach Köln und da nahm das Drama dann seinen Lauf. Diesmal hatte ich den mittleren Sitz erwischt. Der Herr hinter mir schien irgendwelche Hitzewallungen gehabt zu haben, anders kann ich mir nicht erklären, dass er seine Lüftung bis zum Anschlag aufgedreht hatte. Es war ein bisschen zugig und ich überlegte nur kurz, ob ich was sage, aber dann dachte ich mir, bis Köln ist nur ein Stündchen, das wird schon gehen. Ging es auch und ich fiel abends müde und glücklich verlobt ins Bett.

Dicke Lippe, Stroke Unit, Neurologie & Vollpension

Am nächsten Morgen merkte ich nach dem Wachwerden, dass die Lippe ein wenig dick war. Es fühlte sich so an, als wär ich beim Zahnarzt gewesen oder, als hätte meine Lippe nachts mit Ollis Ellbogen Bekanntschaft gemacht. Als ich mich so im Spiegel betrachtete, stellte ich fest, die Mundwinkel hingen ein wenig runter, was mich leicht nervös machte. Taubes Gefühl, hängender Mundwinkel, DAS wird doch wohl kein Schlaganfall gewesen sein? Quatsch, dafür biste zu jung – dabei bekommen auch junge Leute einen Schlaganfall. Google gefragt und Übungen zum Ausschluss eines Schlafanfalls gefunden. Diese Übungen konnte ich alle machen und war ein wenig beruhigter, trotzdem machte ich mich auf den Weg zu meinem Hausarzt des Vertrauens. Dieser guckte in mein Gesicht und teilte mir mit, er könne nichts machen, es handle sich um eine linksseitige Fazialisparese, er würde mich direkt weiter ins Krankenhaus bzw. in die Neurologie der Uniklinik weiter schicken wollen. Um die Adresse herauszufinden öffnete er am Rechner eine Seite mit der fetten Überschrift Stroke Unit. Kam die Lähmung also doch von einem Schlaganfall? Er lachte, beruhigte mich und meinte, dass ich eigentlich zu jung wäre und es kein Schlaganfall sei, da die ganze Gesichtshälfte gelähmt sei und nicht nur der Mundwinkel hing. Aha, also wieder was dazu gelernt!

Neurologie

In der Klinik eröffnete man mir, dass man gerne eine Lumbalpunktion machen wollen würde, um Entzündungen im Körper auszuschließen. Danach solle ich noch eine Nacht zur Beobachtung dableiben, bevor ich wieder nach Hause konnte. Da musste ich dann wohl durch, für eine Nacht – dachte ich mir. Ich durfte noch schnell nach Hause, ein paar Sachen holen und schon fand ich mich in einem Zweibettzimmer wieder, umgeben von einer ganzen Entourage, die alle fleißig meine Hand schüttelten und ganz viel erzählten. Man erklärte mir, was bei der Lumbalpunktion gemacht wird, ob und wie sie wehtut und dass ich nach dem Eingriff viel trinken und am Besten für 30-40 Minuten flach auf dem Bauch liegen bleiben solle. Dies würde die häufig starken Kopfschmerzen nach dem Eingriff verhindern. Der Gedanke daran, dass mir gleich Jemand eine lange Nadel in den Rücken jagen würde, um Flüssigkeit zu entnehmen, gruselte mich ein bisschen. Aber hatte ich eine Wahl? NEIN! Kurz vorher wurde noch der Blutdruck gemessen, der durch die ganze Aufregung dezent in die Höhe schoss, was alle Anderen beunruhigte, mich aber nicht, ich kenne ja meinen Körper. Mir bliebt nicht viel Zeit zum Nachdenken, denn der Nadel und Arzt waren bereit. Ich würde lügen, wenn ich sage der Eingriff war schön, aber es gibt wahrlich Schlimmeres. Jeder der beim Insulinspritzen schon mal einen Nerv getroffen hat, weiß wovon ich rede.  Nach dem Eingriff hatte ich für den Rest des Tages Ruhe. Hin und wieder kam eine Schwester die den Blutdruck messen sollte und immer wieder überrascht war, dass der Blutdrucksenker den man mir gab, nicht innerhalb von 20 Minuten wirkte. Bisschen dusselig und nervig… aber gut. Ich war auf den nächsten Morgen gespannt, denn da stand die Visite auf dem Programm, mit den Ergebnissen der Blutabnahme und der Punktion.

Ach Sie sind Diabetikerin?

Da sich mein Zimmer direkt über der Warenanlieferung befand, war meine Nacht um sechs Uhr zu Ende. Um acht Uhr, stand dann der Klinikchef samt Gefolgschaft an meinem Bett und wollte wissen, wie es mir nach der Lumbalpunktion ergangen sei. Wir quatschten und dann fiel der Satz aller Sätze „Ach, Sie sind Diabetikerin? Na dann stehen sie doch mal auf“ – ja, es war so klar. Der Diabetes ist immer Schuld an allem. Ich durfte dann durch das Zimmer spazieren, mal auf Zehenspitzen, mal auf den Fersen, auf einem Fuß hüpfen und auch auf einen Stuhl klettern. Ein Zusammenhang zwischen den Übungen und meiner Gesichtslähmung erschloss sich mir jedoch nicht. Es gab auch keinen. Aber wenn man schon mal eine Diabetikerin da hat, kann man ja auch die ein oder andere Untersuchung machen. Was für ein Elend, dachte ich mir. Und wie wenig zielführend. Ich bin wegen dem Gesicht da und seit ich die Klinik betreten hatte, hat sich noch niemand darum gekümmert. Großartig! Außer für nachts, da bekam ich einen schicken Uhrglasverband, damit das Auge nicht austrocknet.

Uhrglasverband Neurologie

Die Ergebnisse, sowohl vom Blutbild als auch von der Punktion, zeigten keinen Befund. Juchhu dachte ich mir, hatte aber die Rechnung ohne den netten Klinikchef gemacht. Der ordnete direkt noch ein EMG, ein EEG und ein MRT an: „Wir checken Sie noch einmal richtig durch, wenn Sie schon mal hier sind. Das ist gut, gerade auch im Hinblick auf den Diabetes. Wenn alle Ergebnisse ohne Befund bleiben, können Sie heute Nachmittag auch nach Hause“.  Ein wenig grummelig stimmte ich den Untersuchungen zu und hoffte, alles schnell hinter mich bringen zu können, meine Sachen zu packen und das Krankenhaus wieder zu verlassen. Viel Zeit zum Grummeln hatte ich jedoch nicht, denn kurz nach der Visite wurde ich zum EMG gerufen. Das war dann sowas, was der Mensch nicht braucht und auch nicht schön. Nadeln im Kopf und in der Lippe, sind so gar nicht mein Ding. Und Stromstöße gegen die Knöchel brauch ich auch nicht öfter. Das EEG, war harmlos, da merkte man gar nichts und dann, dann kam das MRT. Ich muss zugeben, ich hatte echt Bammel vor der Röhre. Ich mag es nicht eingesperrt zu sein, wenn mir Jemand zu nahe kommt und mir meine Freiheit nimmt, dann kann ich das gar nicht leiden. Ich hatte auch kurz überlegt, das MRT zu verweigern, weil mir die bevorstehende Enge ein wenig die Luft zum Atmen nahm. Das merkte die Dame, die mich vorbereitete und beruhigte mich sehr nett und mit einem Trick, so dass ich mich doch hab in die Röhre schieben lassen. Im Nachhinein kann ich nur sagen: umsonst verrückt gemacht, es war gar nicht schlimm!

Als ich gegen Mittag von meinem Untersuchungsmarathon wieder ins Zimmer kam, wartete dort bereits mein Mittagessen. Nach dem Essen bekam ich Besuch von einem der Assistenzärzte, der mir dann mitteilte, dass der Herr Professor mich gerne noch eine Nacht zur Beobachtung dabehalten würde. Was war das denn jetzt schon wieder? Warum? Alle Ergebnisse der Untersuchungen waren negativ, alle! Woran man sich dann störte, war der zu hohe Blutdruckwert vom ersten Messen. Die Werte gingen zwar runter, aber man wollte es noch beobachten. Ein wenig angefressen duften die Schwestern dann auch den Blutdruck immer wieder messen, auch wenn es mich schon sehr nervte. Eine Schwester musste irgendwie einen Clown gefrühstückt haben, zur Behandlung  der Lähmung bekam ich Kortison, musste also meinen Blutzucker engmaschiger messen und die gute Dame kam rein und meinte, sie wolle jetzt meinen Blutzucker messen. Ich erklärte ihr dann, dass ich das schön selbst mache und mir von niemandem einfach so in den Finger pieksen lasse. Sie durfte sich dann die Werte notieren, wobei sie jeden einzelnen Wert mit einem „zu hoch“ kommentierte. Ach was?

Kerngesund nach Hause

Karfreitag durfte ich die Klinik endlich verlassen. Ich hatte nun Gewissheit, kerngesund zu sein, aber woher die Lähmung kam, das wusste auch keiner. Man geht nun aber davon aus, dass die Klimaanlage, und damit verbundene Kälteexplosion  im Flieger, der Grund für die idiopathische Fazialisparese ist. Wie lang die Lähmung nun noch andauert? Das kann keiner sagen – Tage, Wochen, Monate. Schauen wir mal! Ich hoffe aber, dass ich sehr bald wieder herzlich lachen kann.

Und was lernen wir daraus: Beim nächsten Flug werde ich mich warm einpacken und sowie es zieht, mich direkt umdrehen und meckern!

Neugierig, wie es weiterging? Hier folgt Teil II

14 Comments Vom Flughafen in die Uniklinik

  1. inka 31/03/2016 at 20:00

    OMG Mila! Ich glaube, wenn ich das so lese, dass Du so tough bist wie meine Schwester: Ach, lässig, das krieg ich schon hin, ist schon nix Schlimmes. So ne Nadel im Rücken, iwo, ist nur ein bissl unangenehm. PUH!
    Ich wünschte, ich wäre bei sowas so tough, ich bin da nämlich doch eher hysterisch veranlagt und wäre bei der ganzen Aktion wohl tagelang ein Nervenbündel gewesen. Du meine Güte.
    Ich wünsch Dir, dass Dir sowas nie wieder passiert und Ihr jetzt die Verlobungsphase richtig genießen könnt. Meinen herzlichen Glückwunsch und Euch beiden alles Gute. 🙂
    LG /inka

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    1. Mila 31/03/2016 at 20:08

      Liebe Inka, danke für Deinen wunderbaren Kommentar <3 Joa, ich würde schon sagen, dass ich recht tough bin, sagt meine beste Freundin auch immer, aber ich bin vor allem (!) pragmatisch. Und es hat mich echt gewurmt, dass NIEMAND was dazu sagen konnte, wie ich die Lähmung möglichst schnell wieder wegbekomme. Hauptsache alles andere gecheckt. Das ist ja genau das Richtige für mich dann 😀 Naja, nun mache ich jeden Tag meine Gesichtsgymnastik und bin positiver Dinge, dass ich ganz bald wieder lachen kann. Am 1.05. gehts nach Irland, da will ich in die Kamera lächeln, jawohl!! Und bis dahin erfreue ich mich an meinem Ring, hihi. Danke Dir für die Glückwünsche.
      LG Mila

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  2. Christiane 31/03/2016 at 20:57

    Oh man, da hast du ja echt was mitgemacht…als wären KHs nicht schon nervig genug (immer der Schlafmangel…) musstest du auch noch als Versuchskaninchen herhalten?! Ich hätt dem ja was erzählt wenn ich da als „Kranke“ rumhüpfen müsste! Aber ich musste so lachen bei deinem Foto oben, das sagt alles 😀 Was ich noch nicht so ganz raffe, wie hilft Kortison gegen Lähmung??

    Lumbalpunktion klingt ziemlich eklig. Ich hatte mal eine Nervenstörung/schmerz von einer falsch gesetzten Infusionsnadel, ist das so ähnlich? Örgs.

    Naja das wichtigste ist dass der Rest ohne Befund war. Hoffe dir geht’s jetzt wieder besser 🙂 Wünsche dir dass sowas nie wieder passiert! Und auch von mir nochmal herzlichen Glückwunsch zur Verlobung :))

    Reply
    1. Mila 31/03/2016 at 22:02

      Hey Christiane,
      ja ja, das Rumhüpfen habe ich dem Diabetes zu verdanken, der ist ja auch immer für alles verantwortlich 😉
      Das Kortison hilft nicht gegen die Lähmung, sondern lindert die Entzündung. Der Nerv in der linken Gesichtshälfte ist gereizt und das Kortison soll beim Abschwellen helfen. Spüren tu ich aber noch nichts.
      Die Lumbalpunktion war halb so wild, es läuft nur während des Abzapfens so ein warmer Schauer die Leiste runter, das hat sich komisch angefühlt.
      Ich über mich nun in Geduld, trainiere schön meine linke Gesichtshälfte und erfreue mich an dem Ring – danke nochmal für die Glückwünsche!
      LG, Mila

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  3. Janett 31/03/2016 at 21:05

    Erst mal herzlichen Glückwunsch zur Verlobung! Zumindest hast du dann London ganz besonders in Erinnerung! Das danach ist ja mal übelst nervig. Ich hoffe für dich, das deine Lähmungen schnell wieder verschwinden, ich find es ja grundsätzlich ganz gut, mal durchgecheckt zu werden, aber wäre auch genervt, wenn ich da den Hampelmann für alle machen müsste. Und ich muss auch sagen – Respekt – ich bin zwar auch kein Schisser, aber mich hat schon diese Geräuschkulisse beim MRT ziemlich genervt. Und Lumbalpunktion… Oje.

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    1. Mila 31/03/2016 at 22:06

      Danke Dir Janett! Und ja, so bleibt der Heiratsantrag besonders in Erinnerung, wobei ich auf den Rest in Köln auch gerne verzichtet hätte 🙂
      Nun übe ich mich in Geduld und hoffe, dass ich bald wieder herzlich lachen kann, ohne ist für mich nämlich ganz schön schwer!
      LG Mila

      Reply
  4. Corinna 01/04/2016 at 00:04

    Mensch Mila,
    Du machst ja Sachen. Ich hatte ja schon von Deiner Lähmung gehört, aber dass jetzt nicht mal wirklich was dagegen gemacht werden kann ist ja echt mega schei*e! 🙁

    Aber ganz ganz herzlichen Glückwunsch zur Verlobung!!!!! 🙂 Ich freue mich wahnsinnig für Euch! 🙂 Wenigstens ein Lichtblick!

    Ganz liebe Grüße,
    Corinna

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    1. Mila 01/04/2016 at 10:54

      Jaaaa, das hatte ich mir auch anders vorgestellt!! Aber naja, nun ist es so und ich übe mich in Geduld 😉

      Lieben Dank für die Glückwünsche!

      Reply
  5. Sabine 01/04/2016 at 12:07

    Ein Heiratsantrag in London, wie grossartig! Der Rest klingt ein wenig sorgniserweckend, die Ärzteschaft hatte wohl nicht echt einen Plan.
    Gute Besserung und liebe Grüße, Sabine

    Reply
    1. Mila 01/04/2016 at 12:10

      Danke Dir! Oh ja, London war ganz großartig. Und hier in Köln übe ich mich jetzt in Geduld und trainiere 🙂
      Liebe Grüße,
      Mila

      Reply
  6. Ina 26/05/2016 at 17:09

    Hallo liebe Mila,
    ich kann so mit dir mitfühlen, habe ich doch ein ähnliches Schicksal.
    Ja ich habe auch eine einseitige Facialisparese, ja ich habe auch Krankenhausprozeduren hinter mir und ja es ist nicht leicht.
    Liebe Mila, ich erzähl dir einfach mal meine Geschichte.
    Es begann Anfang des Jahres 2012. Ich hatte seit einigen Monaten eine Verdickung in der linken Kiefer-/Ohrgegend. Ich hatte ein Jahr zuvor ein Pfeifisches Drüsenfieber durchlebt und dachte der Lymphknoten wir noch etwas geschwollen sein. Da es nicht besser wurde entschloss ich mich es untersuchen zu lassen. Ich ging zum HNO-Arzt und bekam einen Ultraschall. Es war schnell klar es war nicht der Lymphknoten und es wurde der Verdacht geäußert die Ohrspeicheldrüse (Speicheldrüse die in der Ohrgegend liegt, wir haben ja mehrere) sei verändert und müsse wahrscheinlich entfernt werden. Das nahm ich erstmal so hin. Man schickte mich in die Klinik und dort bekam ich ein Vorgespräch und auch gleich einen OP-Termin für den 2.2.12
    Ich bibberte drauf hin und freute mich auch endlich diese unschöne Beule in meinem Gesicht loszuwerden. Der Tag X kam näher. Einen Tag vorher bekam ich den Aufklärungsbogen. Da las ich es das erste mal. „Es besteht das Risiko einer vorübergehenden Gesichtslähmung“. Gut, dachte ich, hilft ja alles nix, muss ja raus. Ich unterschrieb den Wisch und wurde am nächsten Tag für die OP vorbereitet. Meine erste Op, meine erste Narkose, ich hatte ein mulmiges Gefühl …
    Es ging los, ich bekam die LMA-Tablette und wurde in die OP-Vorbereitung geschoben
    FILMRISS
    Ich wachte auf, ich merkte ein komisches Gefühl in der linken Gesichtshälfte, ich dachte ok das ist normal. Mein Kopf war bandagiert und ich hatte eine Drainage gelegt bekommen über die die Wundflüssigkeit abfließen konnte. Ich wartete, kein Arzt kam …
    Ich konnte meine linke Gesichtshälfte nicht bewegen aber ich hatte ja gelesen, dass das passieren kann und wieder weggeht. Eine Schwester kam und gab mir einen Bogen mit Skizzen von Gesichtsbewegungsübungen, einen Uhrglasverband für die Nacht und ein Augengel. Ich fragte ob ein Arzt käme um mit mir zu sprechen aber es kam niemand. 3 Tage lag ich in der Klinik, 3 Tage an denen viele Tränen geflossen sind und keine Fragen geklärt wurden. Dann kam der Operateur, nach 3 Tagen um mir folgendes mitzuteilen: Sie hätten die OP begonnen und wären sehr frühzeitig von einer Wucherung überrascht worden, sodass es ihnen nicht möglich war zur Ohrspeicheldrüse vorzudringen. Er (der Operateur) habe versucht den Facialisnerv freizupräparieren, da dieser als Orientierungsweg diene. Dieser Versuch dauerte 2Stunden. Dann habe er aufgegeben und mich wieder zugenäht. Er habe seiner Aussage nach den Nerven nicht durchtrennt und er würde sich wieder regenerieren, ich bräuchte nur gedulte und solle meine Übungen machen.
    SCHOCK
    Hatte ich gerade richtig gehört?
    Das ganze Prozedere umsonst und dazu einseitig im Gesicht gelähmt? Ich heulte … und rief unter Tränen meine Eltern und meine Freunde an. Alle versuchten mich zu trösten, aber das war schwer möglich. In mir herrschte Chaos, war doch so viel unklar. Was passiert mit der Wucherung? Was ist das überhaupt? Was ist mit meinem Studium? Würde ich es weiterführen können?
    Es überschlug sich in meinem Kopf und ich versuchte mich zu sortieren.
    Schließlich bestand meine Mutter (selber Ärztin allerding in einem anderen Fach) auf ein klärendes Gespräch mit dem Operateur (Oberarzt der HNO-Station). Nach ewigem Gebettel und Generve bekamen wir einen Termin. Leider war auch dieses Gespräch wenig aufklärend. Wir sollen uns gedulden und er habe den Nerv nicht durchtrennt, bla bla bla. Auf unsere immer wieder gestellte Frage nach dem „Was ist das denn nun und muss das nicht raus?“ bekamen wir immerwieder ausweichende Reaktionen und keine befriedigenden Antworten. Schließlich wurde angewiesen den Knoten von außen unter Ultraschallkontrolle zu punktieren und mich anschließend noch ins MRT zu schieben. Fiel ihnen ja wirklich früh ein. Wäre das vor der OP nicht sinnvoller gewesen?
    Der Befund der Punktion zeigte, es handelt sich um ein Schwannom (gutartiger Tumor der Schwann´schen Zellen des Facialisnerven). Im MRT hat sich bestätigt, dass es 4 Tumore in der Parotis sind und nicht mehr oder weniger. Einer davon sieht zystisch aus. OP findet ERSTMAL nicht statt wegen Fazialisproblematik.
    Nachdem ich mit diesen Infos nunmehr wiederrum mir selbst überlassen wurde, noch einigemal zur Besichtigung ins Krankenhaus musste ohne über weitere Pläne Auskunft zu bekommen, entschloss ich mich mir eine weitere Meinung einzuholen. Ich recherchierte mit meiner Familie im Internet über geeignete Anlaufstellen. Es war schwierig, den Spezialisten im Bereich der peripheren Nerven zu finden ist gar nicht so einfach. Mittlerweile war es April und nochimmer war keine Besserung absehbar. Schließlich stießen wir auf die Kopfklinik in Heidelberg. Kopfklinik das klang interessant, denn alle Fachrichtungen arbeiteten dort Hand in Hand und da niemand genau wusste was das Ding in meiner linken Gesichtshälfte war, klang das sehr ansprechend.
    Wir riefen an und schilderten den Fall kurz. Wir schickten meine Unterlagen mit allen Befunden und Epikrisen in die Klinik nach Heidelberg.
    Relativ zeitnah bekamen wir einen Anruf vom Klinikmanagement. Ich solle mich persönlich vorstellen um weitere Untersuchungen machen zu können. Puh Berlin-Heidelberg, das ist ein Stück. OK, wir machten einen Termin für den 25. April. Mein Papa fuhr mich zu dem Termin nach Heidelberg. Ich verbrachte den ganzen Tag in der Klinik mit Gesprächen und Untersuchungen und fuhr schließlich völlig erschöpft wieder mit meinem Papa zurück nachhause.
    Einige Wochen bekamen wir einen Anruf von einem Arzt aus Heidelberg. Er erklärte mir in einem einstündigen Gespräch die Möglichkeiten und darauf folgend genauso ausführlich nocheinmal meiner Mama. Es war so, dass er im Prinzip nur die Möglichkeit sah das Schwannom operativ zu entfernen und dann einen sensitiven Nerv aus meinem Fuß (N. suralis) als Ersatz im Gesicht zu verpflanzen. Es sei allerding nicht sicher wieviel Funktion dieser Nerv wieder übernehmen kann. Wie es auch sei ich bekam einen OP-Termin für den 21.6.12.
    Was waren das für lange Tage …
    Dann war es soweit meine Reise begann. Am 19. ging es los mit dem Zug nach Heidelberg.
    Nach einigen Voruntersuchung war der OP-Tag da
    FILMRISS
    Ich wachte auf, es war eine lange OP und eine schwierige OP. Sie dauerte 8 Stunden und war so schwierig, dass es auch diemal nicht wie geplant verlief. Die Wucherung war so imens, dass der Arzt diese lediglich entfernte und die Nervenenden durch Fäden markieren konnte. An die Entfernung und Verpflanzung der N. Surealis war aus zeitlichen Gründen nicht zu denken und er wollte eine ausgiebige Histologie (verschiedene Schnitte und Färbungen) des Gewebes um sicher zu gehen, dass nichts bösartig ist.
    Und so hieß es wieder warten
    2 Wochen warten
    Zum Glück hatte ich eine nette Patientin auf der Station kennengelernt, die mich ablenkte und immermal aus dem Krankenhaus entführte und mir Heidelberg zeigte. Ohne sie wäre ich irre geworden.
    Nach zwei Wochen bekam ich grünes Licht, alles gutartig und die nunmehr dritte OP in diesem Jahr stand an.
    FILMRISS
    Ich wachte in der Intensivstation auf. Um mich rum piepte es. Nebenan stönte eine ältere Frau. Die OP war kompliziert und dauerte 12 h. Aber sie verlief gut. Nun lag es nicht mehr inder Hand der Ärzte. Nach einem Tag auf Intensiv wurde ich zurück auf die HNO verlegt. Dort lag ich noch einige Tage und dann wurde ich abgeholt und es ging wieder nachhause.
    Jetzt brauchte ich mal wieder Geduld und muss fleißig üben, damit die Nerfenfasern odentlich wachsen und die Bewegung im Gesicht wieder kommt (Nerv wächst 1mm/d also ca. 300d) und ich war voller Hoffnung und seeeeehhhhhrrr froh das alles an Tumoren raus und alles gutartig war!
    Nunja das ist nun 4 Jahre her.
    Das Postitive ich habe Teile der Bewegung wieder erlangt. Ich habe wieder einen Lidschluss, sodass ich keinen Uhrglasverband mehr brauche und ich habe leichte Mundbewegungen wiedererlangt. An ein schönen symmetrisches Lächeln wie früher ist allerdings nicht zu denken.
    Ich hardere auch heute immermal wieder mit meinem Schicksal aber es hätte auch schlimmer kommen können.

    Das war meine Geschichte.
    Ich hoffe bei dir wird eine Ursache gefunden und du erlangst deine Gesichtsmimik vollständig wieder.
    Ich wünsche dir alles Gute und drück dir alle Daumen.
    Ich werde weiter deinen Blog verfolgen.

    Liebste Grüße Ina

    Reply
    1. Mila 23/06/2016 at 14:28

      Liebe Ina,
      lieben Dank für deine Kommentar und vor allem Deine Geschichte. Oh man, da hast Du ja ganz schön was mitgemacht. Ich drück dir die Daumen, dass das Lächeln immer mehr wird!
      Liebe Grüße, Mila

      Reply
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